Finanz- und Anlageanalyse

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Marktanalyse




Analyse zum Jahreswechel 2020/2021



Ein verrücktes Jahr geht zu Ende. Ein Jahr, das weltweit grosses Leid über die Menschen gebracht hat. Viel zu viele Tote sind zu beklagen, Existenzen wurden vernichtet. Was all die (wirtschafts)politischen Massnahmen bewirkt haben, auf wirtschaftlicher, aber auch auf menschlicher Ebene, werden wir wohl erst später erfahren. Wir sind ja noch mitten drin in der Pandemie, auch wenn eine Impfung mögliche Auswege bietet, auf ein wieder normaleres Leben hoffen lässt.

Wir sind hier keine Virologen, keine Ärzte. Daher konzentrieren wir uns in dieser Analyse auf die wirtschaftlichen Auswirkungen, die Entwicklung der Märkte. Das ist unsere Kompetenz. Für niemanden von uns steht ja das Leben still. Wir können uns nur schützen, jeder nach seinem Gutdünken, und hoffen, dass er und seine Lieben gesund bleiben! Daneben müssen wir uns aber trotz oder gerade wegen alledem auch um unser materielles Wohlbefinden kümmern und dies schützen. Fangen wir also mit einem Rückblick an.

«Wir bleiben trotz allem bei unserer inzwischen vielleicht etwas (toll)kühnen Einschätzung vom Januar, dass die Börsen das Jahr unter gröberen Schwankungen höher beenden werden. Da wirtschaftliche Argumente nicht unbedingt helfen: irgendwohin muss das gedruckte Geld ja fliessen.»

Dies schrieben wir in unserer Analyse zum ersten Semester 2020. Der Swiss Performance Index beendet das Jahr tatsächlich unter gröberen Schwankungen mit einem Plus von 3.8%. Berücksichtigt man die Deflation in der Schweiz von 0.7% (Stand November) steigt die reale Rendite in diesem Aktienjahr sogar auf 4.5%. Der Swiss Performance Index erreichte am 19. Februar dieses Jahres ein neues Alzeithöchst von 13'561 Punkten, um darauf innerhalb eines Monats infolge der Corona-Krise auf 9'341 Punkte (Intraday-Tiefst am 16. März) abzusacken; ein Minus von satten 31%! Per Ende Jahr notiert der Index jedoch wieder nur unwesentlich unter dem Allzeithöchst des Februars. Dies ist alles doch einigermassen erstaunlich, auch vor dem Hintergrund einer immer noch auf halber Kraft laufenden Weltwirtschaft.

Versuchen wir also, die Entwicklung zu erklären und Schlüsse für die Zukunft abzuleiten. Zuerst gilt es festzuhalten: die Börse beurteilt immer nur die Zukunft! Von Ende Februar bis Mitte März sah die Welt äusserst düster aus: ein um sich greifendes, unbekanntes Virus sorgte für maximale Unsicherheit in der Bevölkerung. Weltweite Lockdowns liessen die Wirtschaftstätigkeit einbrechen. Die Zukunft war dunkle Nacht! Dementsprechend geschockt reagierten die Weltmärkte. Als die schlimmsten Befürchtungen bezüglich Mortalität allmählich widerlegt wurden und sich eine berechtigte Hoffnung auf eine mögliche Impfung abzeichnete, reagierten die Märkte wiederum erstaunlich schnell. Die Nacht wurde durch eine entfernt schimmernde Morgenröte abgelöst. Des Weiteren pumpten die Regierungen Unsummen an Geld in die Wirtschaft, wie sie das in jeder Krise seit 2008 tun. Wir haben das in der Halbjahresanalyse dargelegt. Dieses Geld wurde und wird mehr oder weniger mit der Giesskanne ausgeschüttet (siehe z.B. USA: Helikoptergeld). Und hier fangen unserer Meinung nach die Probleme für die künftige (wirtschaftliche) Entwicklung an:

  1. Durch die Aussicht auf einen Impfstoff und die Erwartung grenzenloser Hilfen und Stützaktionen durch Staaten sind die Märkte extrem optimistisch bewertet. Im Prinzip ist eine völlige Erholung und Überwindung der Krise in den Kursen bereits eingepreist. Gerade amerikanische Aktien weisen zum Teil absurde Bewertungen auf.

  2. Es ist nicht möglich, einfach durch beliebiges Drucken von ungedecktem (Papier)Geld dauerhaftes Vermögen zu schaffen! Dieses einfache und grundlegende Wissen scheint im immer noch vorherrschenden Machbarkeitswahn der aktuellen politischen Führungen komplett verloren gegangen zu sein. Man fühlt sich ins Mittelalter zurückversetzt, als Alchemisten versuchten, Schrott mit Hilfe des "Steins der Weisen" in Gold zu verwandeln. Der gegenwärtige Prozess der Liquiditätsschwemme führt nur zur Entwertung des Geldes, sprich: Inflation! Diese ist in sämtlichen Anlageklassen bereits angekommen. Obligationen- und Aktienmärkte, Edelmetalle, Immobilien, aber auch alternative und neue Anlageformen wie Kryptowährungen notieren auf oder nahe bei Höchstständen! Der einzige Grund, warum die unfassbare Geldmengenausweitung seit 2008 sich noch nicht auf Produktions- und Konsumgüterseite niederschlägt, ist oder war die stete Auslagerung der Produktion westlicher Länder nach Asien, speziell China! Teure westliche Arbeitskosten wurden also stetig ersetzt durch billigere asiatische.

  3. Sollte dieser Auslagerungsprozess - warum auch immer - einmal zum Stillstand kommen resp. lassen sich die Lohnkosten auch in China nicht weiter senken, werden uns die Preise auch in der Realwirtschaft um die Ohren fliegen. Wir wissen nicht, wann dieser Prozess einsetzen wird, aber er wird plötzlich kommen und er wird schnell sein!

Wir bleiben somit bei unseren schon mehrfach in diesen Analysen ausgesprochenen Empfehlungen:

  1. Um Ihr Vermögen zu schützen führt kein Weg an Realwerten vorbei! Zu diesen gehören Aktien, auch wenn diese wegen der Liquiditätsschwemme bereits hoch bewertet sind

  2. Streuen Sie Ihr Vermögen! Nebst einem breit diversifizierten Aktienportfolio empfehlen wir auch selbst genutztes Wohneigentum. Erscheinen Ihnen - völlig gerechtfertigt - die Preise dafür zu hoch, schauen Sie sich ruhig auch etwas abseits der Zentren um. Da gibt es z.T. noch erstaunliche Angebote. Gewisse Gegenden in der Schweiz wurden in den letzten Jahrzehnten ja geradezu vergessen, da sich alle auf Städte und umliegende Gemeinden fokussiert haben.

  3. Investieren Sie auch einen Teil Ihres Vermögens in Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium). Auch die sind zwar immer wieder Schwankungen ausgesetzt. Es sind aber reale Güter, die auch immer einen industriellen Verwendungszweck haben werden. Gold im Speziellen hat seine Geldfunktion über Jahrtausende bewahrt ("Die Geldfunktion von Gold").

  4. Sollte tatsächlich eine starke Inflationsphase einsetzen, wird diese zu Verwerfungen an den Märkten führen. Nominale Werte (Obligationen, Bargeld) werden ihren Wert unwiederbringlich verlieren! Aktienmärkte werden in einer ersten Phase korrigieren, speziell zu hoch bewertete Firmen. Im Gegensatz zu vernünftig bewerteten Unternehmen, die nachhaltig nachgefragte Produkte herstellen, werden einige dieser High-Flyer nicht überleben. Deshalb: Diversifikation! Längerfristig werden Qualitätsfirmen aber ihren Wert erhalten. Eine Hilfe, um Aktien mit einem besseren Risiko-Rendite Profil zu identifizieren, finden Sie in unserem Artikel Low-Risk-High-Return Investing. Halten Sie trotz Inflationsaussichten immer einen ausreichenden Baranteil. So können Sie im Falle einer Bewertungskorrektur zukaufen.

  5. Wir empfehlen auch, einen Teil des Portfolios mit Put-Optionen abzusichern. Somit gelangen Sie im Falle einer Korrektur an den Märkten zu flüssigen Mitteln. Diese können verhindern, dass Sie Aktien zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen müssen, um für Ausgaben des täglichen Lebens liquide zu bleiben; oder Sie nutzen diese gewonnen Barmittel für Zukäufe günstiger Titel. Wie Sie bei einer Absicherung vorgehen lesen Sie in unseren Artikeln Portfolio-Absicherung und Optionspreisrechner

Wir hoffen, diese Ratschläge führen Sie wenigstens auf materieller Ebene sicher durch unruhige Zeiten.
Aber das wichtigste natürlich: bleiben Sie und Ihre Lieben gesund!


Analyse per 31.12.2020

 


Von Panikmachern und Verweigerern – ein Rück- und Ausblick zum ersten Semester 2020



«...Wir rechnen im 2020 aufgrund der Wahlen, geopolitscher Unsicherheiten und hohem Bewertungsniveau der Märkte mit grösseren Sturmböen, aber insgesamt steigenden Märkten...»


Dies schrieben wir in unserer Analyse zum Jahreswechsel 2019/2020. Nun denn, sie kamen, die Sturmböen, mit ziemlicher Wucht. Ausgelöst durch etwas, das niemand so richtig auf dem Radar hatte: ein Virus. Aufgrund der von uns angesprochenen hohen Bewertungsniveaus taten die Märkte das, was sie bei hoher und plötzlicher Unsicherheit immer tun: sie korrigierten kräftig nach unten. Worauf die Politik rund um den Globus das tat, was sie seit Beginn des Jahrtausends immer tut in solchen Situationen: Geld drucken, um es -  und das ist neu - zum Teil sogar direkt als Helikoptergeld unter der Bevölkerung zu verteilen. Worauf die Märkte wiederum das taten, was sie dann auch immer tun: sie erholten sich relativ zügig vom ganz grossen Schock.

Wohl dem, der wie von uns empfohlen, sein Portfolio mit Put-Optionen abgesichert hatte. Er erfuhr je nach Grad der Absicherung spürbare Linderung seiner Schmerzen und konnte günstige Gelegenheiten zu Zukäufen nutzen.

Dennoch ist die momentane Situation alles andere als rosig. Rund um den Globus sind die Menschen maximal verunsichert. Sie mögen unterschiedlich damit umgehen. Die einen rennen, panikgetrieben, mit Masken in ihren eigenen vier Wänden herum und warten auf den Weltuntergang, andere verweigern sich offensichtlichsten Fakten, sehen das ganze als kleine harmlose Grippe und/oder flüchten sich in irgendwelche Verschwörungstheorien. Noch nie trat für mich die Unvernunft der Menschen als Ganzes stärker hervor als in diesen Tagen. Eine schwierige Situation nüchtern zu analysieren, basierend grösstenteils auf unklarem oder nicht vorhandenem Wissen, mit der Unsicherheit umzugehen, wie nun die unmittelbare Zukunft aussehen wird, all das liegt uns Menschen nicht. Wir brauchen Gründe für bestimmte Entwicklungen, Erklärungen für komplexe Situationen und Zusammenhänge, Planungssicherheit. Wir brauchen unsere Gewohnheiten, Rituale, um uns in einer eh schon immer komplizierter werdenden Welt zurecht zu finden. Unsicherheit ist uns des Teufels. Das sind alles gute oder zumindest keine schlechten Eigenschaften; sie haben uns durch 60'000 Jahre Menschheitsgeschichte dorthin gebracht, wo wir nun sind. Nur können sie uns bei plötzlich auftretenden Krisen oder Katastrophen auch hinderlich werden. Einen kühlen Kopf zu bewahren, das Gegebene auch einmal zu akzeptieren, ist nicht einfach, kann oder muss aber die Basis sein, Probleme zu lösen.

Wir befinden uns vielleicht tatsächlich an einem Wendepunkt der Geschichte. Konflikte entladen sich nicht mehr primär entlang staatlicher Grenzen, sondern entlang unterschiedlicher Ideologien ("Clash of Cultures"). Diese Ideologien stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber. Ihre Vertreter treiben die Rerpräsentanten von Staaten der westlichen Welt und zunehmend auch der Wirtschaft, aber auch die schweigende Mehrheit der Bürger vor sich her, mit immer neuen Forderungen, auch mit beschleunigter Aggressivität und Rücksichtslosigkeit.

Was heisst das nun alles für uns Anleger?

Die Entwertung des Geldes schreitet voran. Sie zeigt sich vielleicht (noch) nicht in der Teuerung von Konsumgütern (weil man den Fluss von Geld wie auch den von Wasser eben nicht so einfach steuern kann), aber deutlich in der Preisentwicklung anderer Anlageklassen. Aktien sind relativ zu der jeweils aktuellen Situation seit Jahren deutlich überbewertet. Ebenso Immobilien, speziell in der Schweiz. Der globale Anleihenmarkt wurde zu einem sozialistischen Spiel- und Experimentierfeld. Die Zinsen sind seit der Finanzkrise zu einem gelenkten Preis für Papiergeld geworden, anstatt das Risiko des Wirtschaftens resp. den Preis für Angebot und Nachfrage nach Kapital abzubilden.

Dennoch oder gerade deshalb führt kein Weg an Realwerten (Aktien, selber genutztes Wohneigentum, Gold) vorbei. Zu Gold: lesen Sie auch unseren Artikel "Die Geldfunktion von Gold". Vielleicht wird das Thema schneller aktuell als Sie denken. Solange von medizinischer Seite her keine Lösung gegen das Virus gefunden wird oder es nicht auf wundersame Weise selber wieder verschwindet, wird die Achterbahnfahrt an der Börse, getrieben zwischen Hoffnung und Enttäuschung, weiter gehen. Vielleicht setzt auch eine gewisse Gewöhnung ein und wir lernen mit einer neuen Krankheit zu leben. Aber die Unsicherheit wird vorerst bleiben. Und eben: der Mensch hasst Unsicherheit. Wir bleiben trotz allem bei unserer inzwischen vielleicht etwas (toll)kühnen Einschätzung vom Januar, dass die Börsen das Jahr unter gröberen Schwankungen höher beenden werden. Da wirtschaftliche Argumente nicht unbedingt helfen: irgendwohin muss das gedruckte Geld ja fliessen. Nicht die schönste Begründung, aber was soll's.

Gute Nacht und viel Glück!


Analyse per 30.06.2020

 


Analyse zum Jahreswechsel 2019/2020



«...solange die Zinsen so tief bleiben, führt an Real- und Sachanlagen, zu denen auch Aktien gehören, kein Weg vorbei.»
Dies schrieben wir in unserer Analyse zum ersten Semester 2019 (Stalemate - oder wir harren der Dinge). Die von uns angeratene Put-Option zur Absicherung der angesprochenen Unwägbarkeiten hätte man sich zwar sparen können, die Rendite wurde aber dadurch nur unwesentlich geschmälert, da die Volatilitäten tief waren und Absicherung somit günstig erworben werden konnte. Der Aufwärtstrend an den Märkten setzte sich weiter fort, wirtschaftliche und politische Risiken wurden von den Anlegern mangels Anlagealternativen beiseite geschoben. Der Swiss Performance Index (SPI) legte in diesem Jahr stattliche 30.6% zu, der Standard & Poor's 500 Total Return Index gar um 31.5% - ein Bomben-Aktienjahr!!

Die von uns in der Halbjahresanalyse angesprochenen Risiken bleiben weiterhin bestehen. Politiker aller Couleur flüchten sich lieber in Klima-Untergangs-Rettungsutopien mit einem Zeithorizont von Jahrzehnten, als die wirklich dringenden Probleme anzugehen (Überbevölkerung, Migrationsströme, Kriege/Konflikte, wohin man schaut, gesunde wirtschaftliche Rahmenbedingungen anstatt endloses Regulieren etc.). Dass aber ein grosser Teil der Bevölkerung praktikable Lösungen sehen will, anstatt in das - dank Presse und Social-Media - überproportional laute und unproduktive Geschrei grün angehauchter Stadtmenschen einzustimmen, haben die britischen Wahlen mit dem Erdrutschsieg der Torries wieder deutlich gezeigt. Und wie bei den US-Wahlen reibt sich die (vermeintliche) Intelligenzija verwundert die Augen und trötet den ewig gleichen Schwanengesang gegen (ebenso vermeintliche) Populisten - wahlweise angereichert mit noch hässlicheren Attributen wie -leugner, rechtsradikal etc. Man mag es nicht mehr hören.

Diffamieren anstatt zuzuhören. Wo Argumente, Diskussion und freie Meinungsäusserung nicht mehr gefragt sind, wo Andersdenkende niedergeschrien werden, herrscht Ideologie; wo Ideologie herrscht, herrscht Willkür und Totalitarismus. Keine schönen Gedanken, keine guten Voraussetzungen. Die tiefe Spaltung der westlichen Welt wird uns weiterhin begleiten. Der "Clash of Cultures" ist in vollem Gange und wird noch zunehmen, nicht entlang von Staats- oder Gebietsgrenzen, sondern entlang von Ideologiegräben unterschiedlichster Färbung. Ideologien/Religionen waren schon immer der Nährboden der grausigsten Konflikte der Menschheitsgeschichte.

Im November wird in den USA gewählt. Trump wird also die Wirtschaft stützen, einen - vorläufigen - Deal mit den Chinesen unbedingt vorlegen wollen. Die Demokraten werden alles dafür tun, ihn zu destabilisieren und primär auf den Mann spielen. Ein eigenes, parteiweites wirtschaftspolitisches Programm ist bei ihnen, Stand heute, nicht erkennbar.

Die USA ist, was die Finanzmärkte angeht, immer noch der Treiber der Welt. Wir rechnen im 2020 aufgrund der Wahlen, geopolitscher Unsicherheiten und hohem Bewertungsniveau der Märkte mit grösseren Sturmböen, aber insgesamt steigenden Märkten, da jeder Einbruch aufgrund der immer noch fehlenden Anlagealternativen zu Zukäufen genutzt werden wird. Wir bleiben auch bei unserer Empfehlung, das Portefeuille gegebenenfalls mit Put-Optionen auf Indizes abzusichern. Diese sollten Ihnen etwas Windschatten geben, während Sie gleichzeitig voll an einem hoffentlich weiteren Anstieg der Märkte partizipieren.

Wir wünschen Ihnen für 2020 viel Erfolg, gute Gesundheit und Zufriedenheit! Auf dass die Stürme der Welt an Ihnen vorbeiziehen!

Analyse per 01.01.2020



Stalemate oder: wir harren der Dinge – ein Rück- und Ausblick zum ersten Semester 2019



«Soll man angesichts all dieser Unwägbarkeiten aus Aktien aussteigen? Nein.»
Dies schrieben wir in unserer Analyse zum Jahreswechsel 2018/2019, nach einer heftigen Korrektur im letzten Quartal 2018. Und wir sollten recht behalten. Weltweit stiegen die Aktien im ersten Quartal 2019 kräftig an. Dann setzte im Frühjahr eine kleinere Korrektur ein, bevor eine Erholung die meisten Märkte auf das vorangegangene Niveau hieften (Dow Jones year-to-date +14%). Eine Ausnahme bildet der SMI, dessen Schwergewichte wie Nestlé, Novartis, Roche von der gestiegenen Unsicherheit profitieren konnten und kürzlich ein neues Allzeithoch erklommen haben (YTD +17.5%). Die oben erwähnten Unsicherheiten haben nicht abgenommen, im Gegenteil. Der Brexit ist immer noch ungelöst, Europa kämpft mit denselben Strukturproblemen wie eh, international haben die Spannungen weiter zugenommen (Handelskonflikt USA/China, Konflikt USA/Iran). Aber: die Notenbanken beidseits des Atlantiks haben – auf mehr oder weniger grossen Druck der Politik – reagiert und eine Wieder- oder Weiteröffnung der monetären Schleusen signalisiert. Oekonomisch aus unserer Sicht eine Katastrophe, da somit die Fehlallokation von Gütern weiter geht (siehe auch Analyse zum Jahreswechsel 2017/2018). Wir als einfache Bürger können uns dieser Entwicklung aber kaum entziehen und müssen irgendwie das Beste daraus machen. Und so halten wir uns weiter an eine alte Börsenregel aus den USA: «Don`t fight the Fed», kämpfe nicht gegen die Federal Reserve Bank resp. deren Politik an. Will heissen, solange die Zinsen so tief bleiben, führt an Real- und Sachanlagen, zu denen auch Aktien gehören, kein Weg vorbei. Zudem läuft der amerikanische Wirtschaftsmotor ziemlich rund und es ist anzunehmen, dass Präsident Trump einen Teufel tun wird, diesen bis zur Wahl abzuwürgen. So müssen wir abwägen zwischen geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken auf der einen Seite und den Chancen oder Notwendigkeiten, die sich durch die Politik der Notenbanken ergibt.

Dass eben diese Art von Risiken vielen Menschen Unbehagen bereitet, ist am Revival der Cryptowährungen, aber auch am Anstieg des Goldkurses zu sehen. Obwohl wir den Grundgedanken alternativer Währungssysteme durchaus überlegenswert finden – eben gerade im Gegensatz zu politisch beeinflussten Notenbanken und deren Schuldenfinanzierung – halten wir die momentanen Lösungsansätze und Konstruktionen von Cryptowährungen für falsch und nicht nachhaltig.

Um einer Kernschmelze des Finanzsystems zu begegnen, würden wir die Anlage in physisches Gold bevorzugen. Kaufen Sie regelmässig Münzen oder Barren (Unzen oder 100g), legen Sie die in einen Banksafe und vergessen Sie es. Ein Kauf von Gold ist nicht als Investition, sondern als Versicherungsprämie gegen den Ausfall des heutigen Geldsystems zu sehen (Zusammenbruch einzelner Staaten unter der Schuldenlast, Hyperinflation etc). Lesen Sie auch «Zur Geldfunktion von Gold».

Bleiben Sie auf jeden Fall in Aktien investiert und sichern Sie diese aufgrund der genannten Risiken und der aktuell sehr hohen Bewertungen gegebenenfalls über Put-Optionen ab, falls Sie Ihr Nervenkostüm schonen wollen, immer eingedenk der Kosten einer solchen Absicherung. August und September sind statistisch gesehen risikoreichere Monate und bieten sich z.B. für eine solche Absicherung an. Mittelfristig gilt zudem, dass Vorwahl- und Präsidentschaftswahljahre in den USA insgesamt in der Vergangenheit überdurchschnittlich rentierten.

Wir wünschen Ihnen eine sonnige und erholsame Ferienzeit und viel Erfolg!



Analyse per 30.06.2019



Analyse zum Jahreswechsel 2018/19


«Wir leben in ver-rückten Zeiten… gewisse Dinge sind nicht mehr dort, wo sie sein sollten», schrieben wir zum letzten Jahreswechsel und «… dass der Aktienmarkt seit Jahren auf Höchstniveaus notiert, nehmen die meisten Anlageexperten mit einem Schulterzucken zur Kenntnis und prophezeien auch für 2018 positive Entwicklungen.» Ziemlich genau Ende Januar 2018 begann die allgemeine Marktbreite des Bullenmarktes (gemessen am NYSE High/Low-Index) zu sinken und baute eine Divergenz zu den immer noch steigenden Kursen auf.

Gegen Ende des Jahres zog die Schwerkraft die globalen Aktienmärkte aus ihren Stratosphärenbahnen runter in etwas irdischere Gefilde, wieder einmal entgegen der Erwartungen der meisten "Experten". Hatte man, wie von uns geraten, einen Teil des Portfolios abgesichert, konnte man zumindest einen Teil der Verluste auffangen oder sogar Gewinne erzielen.

Die Unsicherheiten und belastenden Faktoren werden vorerst bleiben und auch 2019 für eine erhöhte Marktvolatilität sorgen.

  • Eine erratische Politik (USA, Italien, Nordkorea etc.) wird immer wieder für neue Schübe an Unsicherheit sorgen
  • Das Ende des Globalisierungseifers und ein (knallharter) Fokus auf nationale Interessen werden weiter zu Handelshemmnissen führen (USA, China), eine in die Enge getriebene Grossmacht USA versucht verzweifelt ihren Status gegenüber China zu verteidigen, was auf Dauer nicht gelingen wird.
  • China selber ist eine tickende Zeitbombe (Grossmachtpolitik, gigantische Verschuldung von Unternehmen und Privaten, absolutistische Strukturen der Zentralregierung). Gelingt dieser Zentralregierung wirklich ein Softlanding?
  • Unsicherheit bezüglich künftiger Zinspolitik; werden die Zentralbanken bei einer weiteren konjunkturellen Eintrübung wirklich der Politik widerstehen können und die Verknappung der globalen Geldmenge weiter vorantreiben? Oder öffnen sie – dann wohl ultimativ und ein letztes Mal vor dem Gau – alle Schleusen?
  • Das Gewürge um den Brexit wird anhalten, die nationalistischen Zentrifugalkräfte in Europa weiter zunehmen, was zu Rundumschlägen einer in die Enge getriebenen Technokraten- und Beamtenherrschaft in Brüssel gegenüber «Nonkonfirmisten» führen wird (siehe Schweizer Börsenäquivalenz, Grossbritannien, Osteuropa)
  • Wie steht es mit Südeuropa (Italien) und deren Banken? Und v.a. wie steht es mit Frankreich? Das Land ist unregier- und unreformierbar, die Bevölkerung lebt in Traumwelten (35 Stunden Woche, unkündbare Arbeitsverträge, Mehrheit in staatlichen oder staatsnahen Betrieben tätig etc.). Die Wirtschaft ist nicht mal mehr im Ansatz wettbewerbsfähig. Die Chancen stehen zur Zeit bei ca. 80%, dass Macron von Marine Le Pen abgelöst wird, deren Steinzeit-Wirtschaftsprogramm für die endgültige Implosion sorgen wird. Unserer Ansicht nach noch die Grössere Zeitbombe als Italien.

Was heisst das für uns Investoren?

Soll man angesichts all dieser Unwägbarkeiten aus Aktien aussteigen? Nein.
Aber: Bewertungen rücken wieder in den Fokus. Blindes Anlegen in den Gesamtmarkt oder in Silicon Valley-High Flyers ist vorbei. Kaufen Sie bei Einbrüchen Qualitätsunternehmen mit einem vernünftigen Kurs-Gewinn-Verhältnis. Zudem weisen Vorwahljahre in den USA statistisch gesehen die beste Performance innerhalb des Präsidentschafszyklus auf. Sichern Sie Ihr Portfolio weiter über Put-Optionen ab, sofern diese noch einigermassen bezahlbar sind (bei grösseren Marktschwankungen werden die Optionen aufgrund hoher Volatilitäten so teuer, dass sich dies dann nicht mehr lohnt!). Ergänzen Sie Ihr Portfolio mit Gold und ev. Silber. Gold hat jetzt schon angezogen, Short-Positionen wurden abgebaut. Sollte sich wirklich irgendwann eine finanzielle Kernschmelze ergeben, werden Kryptowährungen Sie nicht retten…

Es bleibt spannend!

Wir wünschen Ihnen für 2019 nur das Beste, ein glückliches Händchen an den Märkten und – das steht über allem – Gesundheit und Zufriedenheit!

Analyse per 02.01.2019




Analyse zum Jahreswechsel 2017/18


Wir leben in verrückten Zeiten. Wobei das Wort „ver-rückt“ ziemlich genau aussagt, was gemeint ist: gewisse Dinge sind nicht mehr dort, wo sie sein sollten. So z.B. in der Geldpolitik. Falls noch irgendjemand zweifeln sollte, dass die globale Gelddruckerei völlig aus dem Ruder gelaufen ist, sollte er einen Blick auf die Kapriolen der Cryptowährungen werfen oder in den Kunstmarkt, wo für ein beschädigtes Bild, welches eventuell Da Vinci gemalt hat, eine halbe Milliarde (!!) Dollar ausgegeben wird. Er darf sich auch den hiesigen schweizerischen Immobilienmarkt anschauen, wo vornehmlich Institutionelle und Versicherungen (immer noch) für jede Neubauwohnung ungesehen unsägliche Summen bezahlen (gerade obwohl die Märkte für Mietwohnungen und Gewerbeimmobilien erste Schwächen zeigen). Dass der Aktienmarkt seit Jahren auf Höchstniveaus notiert, nehmen die meisten Anlageexperten mit einem Schulterzucken zur Kenntnis und prophezeien auch für 2018 positive Entwicklungen.


Wie sind diese Sachverhalte zu interpretieren?

  1. Klar, aufgrund der rekordtiefen Zinsen suchen die Anleger nach Investitionsmöglichkeiten und finden sie…. irgendwo.

  2. Wie oben bereits erwähnt, sehen wir in gewissen Vermögensklassen eine gewaltige Inflation. Es ist eine Frage der Zeit, bis diese entweder abgebaut wird (durch Notenbankpolitik, mit entsprechenden Vermögensverlusten) oder in anderen realen Bereichen (Arbeit, Konsumgüter) ankommt; wahrscheinlich ist eine Kombination von beidem.

  3. Es gibt keinen korrekten Marktpreis mehr für Geld. Konsumverzicht heute zugunsten Konsumverzicht morgen (der eigentliche Preis des Geldes) wird nicht mehr abgegolten. Im Gegenteil: er wird von Staat oder Staatenbund bestraft. Somit entfallen wichtige Anhaltspunkte, die eine Einschätzung der Zukunft erlauben, was wiederum zu Fehlallokationen der Mittel führt. Zudem wird durch das Bestrafen von Sparen und das Forcieren von ungezügeltem Konsum heute eine Voraussetzung für eine (finanziell) instabile Gesellschaft geschaffen.

  4. Es zeigt sich auch eine gewaltige Konzentration von privatem Vermögen. Digitalisierung und Internet fördern eine „The winner takes it all“-Entwicklung. So sind u.a. die absurden Preise auf dem Kunstmarkt (oder auch für Oldtimer, Weine etc.) zu erklären.

Was sind die Implikationen für uns private Anleger?

Sicher ist es falsch, nur liquide Mittel zu halten. Schon jetzt ist die reale Rendite auf Cash in der Schweiz negativ. Und sollte die Teuerung noch mehr anziehen ohne entsprechende Zinsentwicklung wird ein zu später Umstieg in andere Anlageklassen noch teurer. Bleiben Sie also investiert in Aktien, gewissen Rohstoffen und anderen Realwerten. Idealerweise haben Sie eine Aufteilung, die unserem VPI-Portfolio entspricht (auf unserer Homepage). Neue Investitionen in diese Klassen würden wir aber zeitlich gestaffelt vornehmen, da auf dem heutigen Bewertungsniveau jederzeit mit grösseren Rücksetzern zu rechnen ist. Ein bestehendes Portfolio würden wir über Put-Optionen (auf den oder die Indizes, die Ihren Investments am nächsten kommen) absichern, wählen Sie den Ausübungspreis entsprechend Ihrer persönlichen Risikopräferenz und v.a. Risikotragbarkeit. Ein ruhiger Schlaf ist wichtig und lässt Sie in Ausnahmesituationen die richtigen Entscheidungen treffen.

Optionen sind aufgrund der niedrigen Volatilität momentan relativ billig zu haben. Mit etwa 3.3% Prämie können Sie z.B. ein Schweizer BlueChip-Portfolio auf ein Jahr (auf Verfall gerechnet) gegen einen maximalen Verlust (d.h. inkl. Optionsprämie) von rund 13% absichern (Eurex-Put-Option auf 21.12.18, Strike 8500, Optionspreis: 315, Break-even: 8185, SMI per 21.12.17: 9424). Sollte der Einbruch des Marktes einige Zeit vor Verfall passieren, sieht die Rechnung noch günstiger aus! Nach oben bleibt so der mögliche Gewinn weiter unbegrenzt!

Wenn Sie bereit sind, einen grösseren Verlust als die 13% zu tragen, wird die Versicherungsprämie natürlich noch günstiger. Sie können beliebig mit Laufzeiten und Absicherungshöhen spielen, um so das Ihren Markteinschätzungen gemäss beste Absicherungsprogramm zusammenzustellen.

Wir wünschen Ihnen trotz aller Vorsicht ein erfolgreiches Anlagejahr und – noch viel wichtiger – beste Gesundheit im 2018!


Analyse per 21.12.2017